SILBERSTRASSE

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Berggeschrey

Freiberg und das Berggeschrey

Wir schreiben das Jahr 1168, es ist die Zeit des Hochmittelalters. Das Erzgebirge ist größtenteils von einem undurchdringlichen Dunkelwald bedeckt und im Allgemeinen nur als Böhmerwald bekannt. Einige Handelswege überziehen den Kamm. Von der Mark Meißen aus, dem späteren Kurfürstentum Sachsen, hat aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen die planmäßige Erschließung und Besiedlung des Landes begonnen. Vor allem verarmte Bauern aus dem Fränkischen folgen den Siedlungsaufrufen durch die Landesherren und dehnen das Siedlungsgebiet in Richtung des Böhmerwaldes aus.

Da werden auf der Dorfflur von Christiansdorf beim heutigen Freiberg reiche Silbererz-Vorkommen entdeckt. Sie führen zur Gründung und raschen Entwicklung der Bergstadt Freiberg. Der Markgraf von Meißen ruft die Bergbaufreiheit aus: „Wo eyn man ercz suchen will, das meg her thun mit rechte“. Das bedeutete, dass jeder überall graben und die abgebauten Bodenschätze als Verdienst behalten durfte. Wenn man also Glück hatte und auf eine reiche Erzader stieß, konnte man ganz plötzlich zu unwahrscheinlichem Reichtum kommen, aber auch wochenlang gar nichts verdienen.

Die Inhaber des Bergregals, des Rechts auf die ungehobenen Bodenschätze, waren damals meist die Landesherren, die den Abbau "ihres Erzes" natürlich mit Auflagen, wie dem Bergzehnten als Steuer, versehen und so mitverdienen konnten. Trotzdem lohnte sich das Geschäft für die Bergleute, was einen regelrechten Boom, das erste Berggeschrey, auslöste. Die Kunde vom Silber-Reichtum verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bergleute aber auch Handwerker und Händler siedelten sich in dem noch unwirtlichen Gebiet an. Im Laufe der Jahrhunderte dehnte sich nun die Suche nach Bodenschätzen immer weiter Richtung Erzgebirgskamm aus. 

Dreihundert Jahre nach dem ersten Berggeschrey entstanden nach erneuten reichen Funden zum Beispiel die Bergstädte Schneeberg und Annaberg. Ein weiteres Berggeschrey setzte ein und zahlreiche Neugründungen von Städten folgten. Diese konnten aufgrund der wachsenden Bevölkerung nicht langsam wachsen, sondern wurden planmäßig angelegt. Diese schachbrettartige Gestaltung der Städte kann man heute noch sehr gut in Bergstädten wie Marienberg und Boží Dar sehen.