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Wasserkunst

Boží Dar und die Wasserkunst

Wenn heute irgendwo ein neues Industriegebiet entsteht, dann ist es keine Frage, wie die Maschinen in den Fabriken angetrieben werden. Stromleitungen bringen die Energie schnell vor Ort. Im 16. Jahrhundert, sah das ein bisschen anders aus. Die einzige Möglichkeit Maschinen anzutreiben war Muskelkraft von Mensch und Tier oder die Wasserkraft. Für letztere Antriebsform wurde am Standort der Maschinen ein möglichst großer Höhenunterschied zwischen ankommendem Wasser und tieferem Ablauf benötigt, die sogenannte Aufschlaghöhe. Um das zu ermöglichen und meist auch, weil die natürlichen Wasservorkommen vor Ort nicht ausreichten, legte man Kunstgrabensysteme an. Diese führten über mehrere Kilometer Wasser zu den Gruben, natürliche Hindernisse wurde mit Tunneln, sogenannten Röschen, oder auch Aquädukten überwunden. Ein leichtes Gefälle sorgte dafür, dass das Wasser von allein floss.

So auch beim Plattner Graben in Boží Dar (Gottesgab): Er ist fast 13 Kilometer lang, mit einem Höhenunterschied von 127 Metern, und wurde 1540 bis 1544 zum Wassertransport aus dem Schwarzwasser bei  Boží Dar in die Bergstadt Platten errichtet. Er versorgte einen großen Teil der Gruben, Erzmühlen und auch Zinnwäschen in Platten mit Wasser, außerdem stellte er sicher, dass zur Bekämpfung von Bränden genug Wasser zur Verfügung stand. Zur damaligen Zeit war er von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, sein Bau belebte die Grubentätigkeit. Heute kann man sich auf einem Lehrpfad entlang des Grabens selbst ein Bild von der Wasserkunst machen.